Freitag, 9. September 2011

Der perfekte Sturm




Wenn man sich aktuell die wirtschaftliche und auch die politische Großwetterlage einmal genauer anschaut, kommt man auf die Idee, dass sich hier momentan gerade der perfekte Sturm aufbaut, der dann in den nächsten Monaten losbrechen wird. Die Metereologen bezeichnen einen perfekten Sturm als ein Ereignis, bei dem eine Reihe von Randbedingungen dazu führen, dass der Sturm sich massiv verstärken kann. Auf die wirtschaftliche Situation bezogen können wir nun im September bereits eine Reihe dieser Randbedingungen ausmachen und es kommen aktuell täglich neue hinzu.

Welche Ereignisse und Entwicklungen stellen die Randbedingungen für den "perfekten Sturm" dar ?

1. Downgrading der USA
Der Verlust des AAA-Status der USA stellt eine Zäsur dar, denn seit dem sind die Staatsanleihen der USA nicht mehr als letzte krisensichere Anlageform (in Papierform) vorhanden. Die Staatsanleihe an sich bekommt damit auch einen gehörigen Vertrauensverlust.
Der Dollar hat mit dem Downgrading einen deutlichen Knacks erhalten.

2. Italien, Spanien, Frankreich
Neben Griechenland, das aktuell massiv in den Vordergrund gestellt wird, zeigt sich insbesondere bei Italien, dass es auch nicht zum besten steht. Spanien sieht ganz ähnlich aus. Diese Länder sind aber nicht mehr rettbar. Augenblicklich scheinen sie auch nur deshalb noch nicht umgefallen zu sein, da die EZB massiv Staatsanleihen von ihnen aufkauft. Ansonsten müssten sie immer höhere Zinsen zahlen, bzw. würden die Staatsableihen gar nicht mehr an den Mann bringen können. Als Überraschungskandidat erscheint nun aber Frankreich, das besonders gefährlich agiert. Es hält sich selbst für ein Mitglied der "starken" Staaten, ist letztendlich aber eigentlich der südlichen "PIIGS"-Schiene zuzuordnen.
In Analogie zum Fussball steigen häufig diejenigen Vereine ab, die sich eigentlich stark wähnten und oben mitspielen wollten. Bis sie begriffen haben, dass sie doch gefährdet sind, ist es dann häufig zu spät, die Wende noch zu schaffen. So ähnlich sehe ich das bei Frankreich.

3. Der Euro-Rettungschirm bröckelt.
Finnland hat einen Pfand eingefordert, damit es für Griechenland zahlt. Das hat natürlich die anderen Zahler auf den Plan gerufen. Aktuell schwindet die BEreitschaft der Zahlerstaaten massiv, auch nur einen müden Euro nach Griechenland zu überweisen. Spätestens seit die Troika zur Überprüfung der Sparbemühungen ungeplant abgereist ist, zeigt sich, dass Griechenland nicht weiter sparen will und realistischerweise auch nicht kann. Sie haben schon viel getan, aber das Schiff ist schon lange und zuviel voll Wasser gelaufen, als dass man es noch retten könnte. Mittlerweile haben sich auch in Deutschland eine Reihe von Politikern und die Medien in Richtung Zahlungsstopp bewegt. Ob das geplant ist oder durch die öffentliche Meinung ausgelöst wurde, ist einerlei. Meiner Meinung nach spricht viel dafür, dass Griechenland fallen gelassen werden muss. Eventuell passiert das schon in den nächsten Tagen Wir haben dann einen "Lehman-Vorgang" von 2008 genau drei Jahre später, nur auf Länderebene. Die Konsequenzen daraus sind aktuell nur schwer abschätzbar. Nachdem 2008 der Auslöser in den USA war, möchte ich darauf wetten, dass dieses Mal Europa Ort des ersten Geschehens sein wird.

4. Banken wackeln erneut (Societe Generale, Bank of America)
Deja vu 1 2008: Diesmal ein paar andere Banken aber genau dasselbe Bild: deren Aktien schmieren ab, massive Entlassungen werden angekündigt, es wird vor zu geringer Kapitaldeckung gewarnt. Sollte eine Bank fallen, können die meisten Staaten sie aber nicht mehr glaubwürdig auffangen. Die Staaten stehen jetzt selbst am finanziellen Abgrund.

5. Interbankenhandel stockt
Deja vu 2: Die Banken trauen sich gegenseitig nicht mehr und legen ihr Geld lieber bei den "sicheren" Zentralbanken an, obwohl sie dort praktisch keinen Gewinn erhalten. Joe Ackermann von der Deutschen Bank hat kürzlich ja auch bemerkt, das alles erinnere ihn schon sehr an 2008.

6. Alle Indikatoren zeigen einen massiven Wirtschaftsabschwung an
Deja vu 3: In anderen Ländern schon lange klar, zeigt sich nun auch in Deutschland schon wieder sehr deutlich das Ende des Aufschwungs. Viele und insbesondere nicht manipulierbare Indikatoren wie der Baltic-Dry-Index (Preis für internationale Schiffstransporte) fallen in Richtung des Standes von 2008/2009. Wenn die Preise so fallen, wird nur noch wenig transportiert, was auf eine massiv schrumpfende Weltwirtschaft hinweist.

7. Inflation beschleunigt deutlich
Die Preissteigerung im Bereich Lebensmittel, Energie und Rohstoffe zieht mehr und mehr an. Im Herbst laufen diverse Maßnahmen, die bisher schlimmeres verhindert haben aus. Der Euro fällt (zusammen mit dem Dollar) gegenüber den meisten Gütern schon seit längerem. Im Herbst wird das dann voll auf die Preis durchschlagen.

8. Gold- und Silberpreisanstieg beschleunigt sich
Immer neue All-Time-Highs in immer kürzeren Abständen sprechen eine deutliche Sprache. Massive Drückungsaktionen der Zentralbanken etc. verpuffen innerhalb von Tagen oder sogar nur noch Stunden. Vor vielen Jahren habe ich einmal in einer Analyse gelesen, dass vor einem Zusammenbruch oder in diesem Fall einem Preisausbruch nach oben die Amplitude der Änderungen immer größer wird. Das ist ganz ähnlich einem "Aufschwingen" einer Resonanz, bis dann die sog. Resonanzkatastrophe eintritt, der Ausbruch. Während noch vor einem Jahr eine Änderung des Goldpreises von $10 an einem Tag extrem viel und sehr selten war, sehen wir nun Änderungen von $50 und mehr innerhalb einer Stunde und das mittlerweile fast täglich.
Mal sehen, wie groß die Amplitude noch wird, aber während der Druck nach oben immer stärker wird, geht den Preisdrückern demnächst definitv die Munition aus.

Wir sehen alle Randbedingungen, die wir auch vor dem Herbst 2008 hatten erneut gegeben plus eine Reihe weiterer Faktoren, die nun noch hinzukommen.
Während 2008 die Staaten noch mit hunderten von Milliarden einspringen konnten, ist dieses nun nicht mehr möglich. Wir kommen aktuell an vielen Stellen an Endpunkte und das Verhalten der Politiker und Zentralbanker zeigt auch deutlich, dass sie jetzt mit ihrem Latein am Ende sind. Wann die Sache bricht und wie, ist schwer zu sagen. Ich gehe auch wie vor davon aus, das es stückweise passieren wird und sich über einen längeren Zeitraum hinziehen wird. Der erste Bruch ist aber nur noch Wochen oder sogar Tage entfernt.

Mein Tipp (ohne Gewähr):

1. Ausstieg/Rausschmiss von einem oder mehreren Ländern aus dem Euro
2. Euro löst sich über einen gewissen Zeitraum und schrittweise komplett auf
3. Rezession und dann Depression
4. Der Dollar profitiert zunächst, bricht dann aber komplett zusammen
5. Welthandel geht auf Null zurück
6. Zeitweise keinerlei wirtschaftliche Aktivitäten mehr (das "Blut" der Wirtschaft fehlt), auch auf lokaler Ebene

Garniert wird das ganze mit dem einen oder anderen Terroranschlag und Krieg sowie Chaos in Politik und Verwaltung. Letzteres ist schon sichtbar und wird sich mit der Zeit immer mehr verstärken. Den ersten Krieg diesbezüglich hatten/haben wir schon, denn es zeigt sich immer mehr, dass insbesondere Frankreich den Libyenkrieg gebraucht hat, um sich finanziell über Wasser zu halten. Das werden wir häufiger erleben, auch um die Menschen von den wirtschaftlichen Themen abzulenken.

Wenn Sie also noch Vorbereitungen treffen wollten, wäre es eine gute Idee, diese nun schleunigst abzuschließen.
Wie bei einem Sturm, schließen Sie nun die Fenster und Türen, binden alles fest und bleiben Sie zuhause. Die Windstärke beginnt schon spürbar zu steigen. Aktuell ist es aber erst eine leichte Brise, wir werden einen Hurrican der größten Stufe erleben. Der Himmel hat sich schon massiv verdunkelt. Die gute Nachricht: irgendwann ist der Sturm dann auch wieder abgezogen. Wer aber Fenster und Türen geöffnet gelassen hatte und nichts fixieren wollte, wird dann nurmehr Trümmer vorfinden....

Kommentare:

  1. Statt eines großen Knalles: Wofür brauchen wir Banken noch?

    Gestern früh wachte ich mit einer klaren Vorstellung auf. Sie baut auf meinen Ausführungen vom 26. August 2011 auf: Zins als Preis und Zinseszins als Faß ohne Boden.

    Das staatliche Währungsmonopol wird beendet. Es gibt keine Steuern auf Einkünfte mehr.

    Parallel zum Euro oder zu nationalen Währungen von Staaten geben zum Beispiel Unternehmensverbände Bargeld und Giralgeld aus, das genau den gezahlten Gehältern entspricht. Diese Währungen sind von Arbeitsleistung gedeckt. Banken spielen Wechselstube. Die Software für das Online-Banking ist bereits auf Währungsvielfalt vorbereitet. Diese Organisationen sind groß genug, um branchenübergreifend Akzeptanz für ihre Währung und gleichzeitig Kaufkraft für eigene Dienstleistungen und Produkte zu erzeugen. Konzerne können so international agieren. Sie sind angesichts ihrer Macht auch dazu legitimiert, ohne staatlich gegängelt zu werden. Der ganze Lobbyismus ist ein dämliches Beschäftigungsprogramm.

    Genauso verfahren Behörden und alle staatlichen Unternehmen. Sie geben Euros in Höhe der Gehälter und Bezüge aus. Und wenn die Nachfrage nach den Euronen zu gering ausfällt, dann schrumpft sich die Bürokratie automatisch gesund - bei Konzernen übrigends auch!

    Die Zentralbanken entwickeln sich zurück und wickeln sich ab. Wir brauchen irgendwann auch keine Bundesfinanzagentur mehr, weil es keine Staatsanleihen mehr gibt und weil Behörden keine Schulden mehr aufnehmen.

    All dies bildet die Alternative zu einer Währungsreform. Das FIAT-Geld wird so allmählich seine Akzeptanz verlieren und die Geldverleiher verlieren ihre Aufgabe als Erpresser von Staaten, Unternehmen und Privaten.

    Einzelheiten zu einem Steuersystem habe ich bereits vor längerer Zeit recherchiert und erdacht. Damit stehe ich nicht allein: www.einfacheSteuer.de .

    Ein paar internationale Konzerne können den Vorstoß wagen, ohne von irgendwelchen Nationalstaaten behelligt zu werden. Das Problem dabei dürfte sein, daß die Top-Marionettenspieler den gleichen Champus auf der gleichen Party trinken. Das ist nämlich der Knackpunkt. Staaten, Banken und Konzerne ziehen am gleichen Galgenstrick. Und wenn sie hängen, ziehen sie nicht mehr. Aber es geht auch ohne den großen Knall und ohne Bürgerkriege.

    Wer stößt den ersten Dominostein um?

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  2. Es muß einen Konsens bei den zu unterschiedlichen Bezügen geben.
    Gerade die Verursacher des Missmangements verdienen zu viel, diese Tantiemen müssen weg.
    Ebenso muß eine Sozialisierung bei den Renten ent-stehen. Es kann nicht sein, daß die große Masse von 250,-€ leben muß, wenn viele 2.500,-€ zur Verfügung haben. Ich hab mal überschlagen: bei Bürgergeld um 100 Milliarden pro Jahr erhielten die Harz4ler und Minirentner 800,-pro
    Monat, damit wären die schon geholfen und der Binnenmarkt wäre angekurbelt. Die Jobcenter-Angestellten müßten dann allerdings auch mit 800,-€ auskommen. Die Zuverdienstmöglichkeiten wären nicht mehrzum Nachteil der Hilfsempfänger kontrollierbar. Dies wiederum führt zu Eigeninitiative und Selbstverantwortung und zur Gesundung des Arbeitslosen.....Also her mit der neuen Agenda 2012

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