Mittwoch, 14. September 2011

Die letzten Minuten der Verlängerung im Euro-Spiel

Eine Zeitschrift hat die gerade die aktuellen Vorgänge in Europa als "Das Endspiel" bezeichnet. Ich gehe davon aus, dass wir nun unmittelbar vor dem Abpfiff des Spiels stehen, die neunzigste Minute ist schon überschritten. Eventuell gibt es noch eine kurze Nachspielzeit (siehe unten), aber dann ist definitiv Schluss.

Diese Woche hat es in sich. Um im Vergleich mit einem Sturm aus dem letzten Beitrag zu bleiben: der erste Wolkenbruch steht nun unmittelbar bevor.
Die Äußerungen einer Reihe deutscher Politiker am Wochenende, dass eine Insolvenz Griechenlands oder auch dessen Euro-Austritt eine denkbare Option sein muss, kommt mit Sicherheit nicht zufällig. Es wird nun versucht "den eigenen Hintern zu retten" und eventuell auch von etwas abzulenken. Außerdem zeigen Aktionen von Merkel, Sarkozy etc. wie kurzfristig anberaumte Notfallkonferenzen, die dann wieder abgesagt werden, nur um zwei Tage später einen entsprechenden Telefon-Call zu machen, dass die Politik nun in den Panik-Modus übergeht. Der überraschende Rücktritt des Chef-Volkswirts der EZB Herrn Stark am Freitag zeigt, dass ein Bruch durch die EZB geht.
Die französischen Großbanken erhalten wohl keine Dollars mehr, die sie aber dringend benötigen, um ihre Verpflichtungen zu erfüllen und sie wurden zudem aktuell auch noch von Moodys herabgestuft (BNP Paribas noch nicht, es wird aber damit gedroht). Das Muster haben wir genauso bei Lehman 2008 gesehen - drei Tage später kam die Insolvenz.... Am Freitag (16.9.) gibt es nun die Konferenz der europäischen Finanzminister, zu der sich auch der amerikanische Finanzminister Geithner eingeladen hat, sowie alles was bei EU und Zentralbanken Rang und Namen hat dabei sein wird. Das ist definitiv keine normale Konferenz mehr... Diese Dinge zeigen deutlich, dass die Krise nun mit aller Macht zurückgekehrt ist. Aussitzen, mit staatlichem Geld (noch mehr Schulden) bewerfen und Schönreden (wie 2008) funktioniert nun nicht mehr, da die Staaten selbst am Abgrund stehen. Einzig die Zentralbanken halten das Gebilde noch aufrecht. Von daher werden nun neue Aktionen erfolgen müssen, wenn man verhindern will, dass alles unkontrolliert zusammenbricht.

Hierzu passt es gut, dass aus Insiderkreisen seit Anfang der Woche Informationen durchsickern, dass es am Wochenende eine Währungsreform, insbesondere auch in Deutschland geben könnte. Es gibt meiner Meinung nach eine gute Chance dafür, eventuell dauert es aber auch eine oder ein paar Wochen länger. Da die Politik in einen rein reaktiven Modus gefallen ist, wissen das unter Umständen die Verantwortlichen heute selbst noch nicht genau... Die Wahrscheinlichkeit scheint aber bei den aktuellen Entwicklungen stündlich zu steigen. Dazu passt ein Bericht aus England (der natürlich eine Fake sein könnte, grundsätzlich aber sehr glaubwürdig klingt), dass man aktuell bei den Banken keine britischen Pfund mehr über eine europäische EC-Karte bekommt und selbst in Geschäften die Personalien aufgenommen werden, wenn man nur etwas größere Beträge in Euro nutzen möchte. Das deutet stark darauf hin, dass man in England damit rechnet, dass der Euro demnächst nichts oder sehr viel weniger wert sein wird.
Wenn eine Währungsreform kommt, ist sie dieses Mal weit weniger gut vorbereitet, weshalb davon ausgegangen werden muss, dass die Zeit des Chaos, bis alles wieder läuft, länger sein wird, als bei einer gut vorgeplanten Aktion. Deshalb sollten Sie unbedingt genügend Bargeld im Haus, einen vollen Tank und einen gut gefüllten Kühlschrank haben und diesen Zustand kontinuierlich die nächsten Wochen aufrecht erhalten, bis es dann passiert ist. Die Banken werden mit Sicherheit eine zeitlang schliessen, Tankstellen und Supermärkte eventuell auch. Zumindest wird man dort dann aber nur mit Bargeld zahlen können, sofern sie Euro überhaupt noch nehmen...
Dass alle Papierguthaben ab einer bestimmten Höhe verloren sein werden, habe ich schon mehrfach ausführlich dargelegt.

Wenn am Freitag die Konferenz beendet ist, werden wir erfahren, was passieren wird. Hier gibt es eigentlich nur drei Möglichkeiten, was herauskommen kann:

  1. Alles bleibt wie es ist, man hat ein paar Problemchen, diese aber im Griff; die Welt ist schön... (ist sie übrigens in jeder Hinsicht, nur nicht gerade auf den Finanzmärkten).
  2. Es wird das nächste ultimative Rettungsvorhaben verkündet, mit dem dann endgültig alle Probleme gelöst würden (Eurobonds ?).
  3. Es werden erste Konsequenzen gezogen, wie eine Insolvenz Griechenlands und/oder Ausstieg diverser Staaten aus dem Euro.

ad 1.) Bei dieser Aussage zeigt die Politik den Märkten endgültig ihre Handlungsunfähigkeit und Ignoranz: Das dürfte in der/den folgenden Wochen unmittelbar zu unkontrollierten Insolvenzen von Staaten und Banken sowie Auflösungserscheinungen des Euros führen.

ad 2.) Wenn das Paket groß genug ist (es müßte wieder einmal deutlich größer als alles bisherige sein) und ev. auch von der USA und anderen in der Welt gestützt wird, könnte man die Kuh für kurze Zeit wieder vom Eis bekommen. Man würde hier aber nur mehr Wochen gewinnen können und sitzt nach kurzer Zeit wieder am Tisch, weil der Zusammenbruch droht. Das wissen dort mittlerweile auch alle. Schon jetzt steht die Frage im Raum, wie man überhaupt noch einmal erneut eine Glaubwürdigkeit hinbekommen möchte. Wenn diese erst einmal verloren ist, hat man gar keine Möglichkeiten mehr.

ad 3.) Diese Variante tut weh, sie hat heftige Folgen für die Bevölkerungen, die Maßnahmen werden auch nur einen Zeitgewinn bedeuten, nicht die endgültige Lösung. Da müssten ganz andere Dinge getan werden. Der Zeitgewinn dürfte aber deutlich größer ausfallen, als bei Variante 2 und man behält vor allem zunächst die Glaubwürdigkeit. Im Gegenteil, man würde sogar den Eindruck erwecken, endlich das Heft des Handelns wieder zurück zu bekommen. Diejenigen, die nichts dabei verlieren, werden sogar Beifall klatschen...


Wir werden es am Freitag sehen... Egal was gemacht wird, es heißt mittlerweile: Die Pessimisten gehen davon aus, dass der Euro nur noch ein paar Tage überlebt, die Optimisten davon, dass er es noch ein paar Monate schafft....


Ein kleine Randnotiz: ich habe bei einem großen Discounter gestern ein Schild entdeckt, dass Kaffee nur noch in "haushaltsüblichen" Mengen abgegeben wird. Vor ein paar Monaten konnten Sie dort noch unbegrenzt Kaffee kaufen. Das ist nur ein kleines Zeichen dafür, wie sich Dinge immer mehr ändern. Natürlich können Sie jeden Tag dorthin gehen und drei Packungen kaufen oder bei anderen Supermärkten vorbeischauen, die diese Begrenzung noch nicht haben. Wenn Sie aber ein wenig Kaffee bunkern möchten, haben Sie aktuell schon deutlich größere Mühen, als noch vor einem halben Jahr. Da sind Sie in den Laden gegangen und haben einfach drei Paletten zu einem hervorragend günstigen Preis mitgenommen. Es geht aktuell aber noch, irgendwann wird es gar nicht mehr funktionieren. So etwas werden wir mit vielen Dingen erleben, die wir jetzt noch für selbstverständlich halten.

Kommentare:

  1. Lieber Herr Denk,
    warum sparen Sie, sogar in der Rubrik "Finanzen" das neheliegende Thema Regionalgeld so auffällig aus? Sind Sie Nutznießer des Zentralbanksystems?
    Mit freundlichen Grüßen
    Thomas Geisler

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    1. Regionalgeld wird keine Lösung sein, solange das System noch steht. In späteren Zeiten können das brauchbare Ansätze werden.

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