Freitag, 7. Juni 2013

Es ist doch noch gar nichts passiert !

„Es ist doch noch gar nichts passiert“ sagte der Mann, als er nach seinem Sturz vom Dach des Hauses am zweiten Stock vorbeiflog...“


„Es ist doch noch gar nichts passiert...“

Diesen Spruch kennen viele aufgeklärte Menschen, wenn sie versuchen, anderen die aktuelle Situation des Finanzsystems zu erklären. Dann kommt häufig noch die Aussage hinterher „Du hast schon so lang gesagt, es würde etwas passieren und bis heute sehen wir nichts davon!“.

Auch der eine oder andere Kommentar zu meinen Blogbeiträgen und auf anderen kritischen Seiten geht in diese Richtung.

„Danke für das Horrorszenario gem. 3. Absatz. Der Crash ist, so wie wir heute sehen ausgeblieben. Mit der Angst der Menschen zu spielen, finde ich schlicht und ergreifend nur töricht. Den Weltuntergang gab es auch nicht.“

Den Weltuntergang sagt ja auch niemand voraus. Crashs hat es aber immer wieder gegeben und wenn man das Finanzsystem auf Basis von Schulden und Zinseszins verstanden hat, wird einem klar, dass der Crash eine mathematische Gewissheit ist. Einzig der genaue Zeitpunkt ist schwierig zu bestimmen.

Genau dieselben Menschen, die jetzt diese Sprüche bringen, haben einen noch Mitte 2008 für verrückt erklärt, wenn man von Bankencrashs gesprochen hatte. Nach IKB, Lehman Brothers, etc. waren sie dann auf einmal erstaunlich ruhig geworden. Nachdem diese Pleiten und die anschließenden „Rettungen“ aber keine konkreten Folgen für sie hatten, genausowenig die Vorgänge rund um Euro und EU, kommen sie jetzt wieder aus ihren Löchern und behaupten, die Warner wollten nur Angst verbreiten und seien so negativ.

Ich möchte keine Angst verbreiten, ich möchte, dass die Menschen selbst anfangen zu denken und die Dinge nachvollziehen. Dann kommen sie nämlich automatisch zu bestimmten Schlussfolgerungen und bereiten sich entsprechend vor. Danach geht man weiterhin positiv durchs Leben mit der Gewissheit, dass alles Mögliche und Notwendige gemacht wurde.

Viele der Menschen, die angeblich so „positiv“ sind und deshalb von der Realität nichts wissen wollen, verdrängen und ignorieren nur. Leider ist das eine häufige Reaktion bei den Menschen. Wirklich positiv ist ein Mensch, wenn er nach dem Verlust seiner gesamten Vermögenswerte, des Arbeitsplatzes und eventuell seiner Immobilie immer noch gut gelaunt ist und sagt: „Pech gehabt, dann ist es eben weg!“.
Die meisten, die momentan jegliche Krise ableugnen, werden aber keinesfalls so reagieren. In dem Moment, in dem die Krise nicht mehr ignoriert werden kann, da sie sehr konkrete Folgen für einen selbst hat, werden diese Menschen dann eher wütend auf jeden eindreschen, der ihrer Meinung nach die Schuld dafür hat.

Diese Realitätsverweigerung hat in der Vergangenheit schon viel Unglück gebracht, denn wenn rechtzeitig genügend Menschen die Sachlage verstehen und dagegen etwas unternehmen, können die schlimmsten Auswüchse noch verhindert werden.

Leider wird das Weltbild aber immer mehr auf die eigene Situation eingeengt und die Probleme und Krisenfolgen bei anderen Menschen nicht wahrgenommen. Ich sage dann immer als Antwort darauf, dass doch noch nichts passiert sei, dass derjenige doch nach Athen, Lissabon oder Madrid reisen, sich vor die dortigen Menschen stellen und denen erzählen soll, es wäre doch alles in Ordnung.
Auch hierzulande stellen immer mehr Menschen in Niedriglohnjobs oder Zeitarbeiter fest, dass sie für ein Butterbrot schuften müssen bis zum Umfallen. Die Realitätsverweigerer retten sich dann meistens damit, dass diejenigen ja alle selbst schuld wären. Das macht mich dann schon ein wenig sauer, denn natürlich haben Griechen und Spanier Fehler gemacht, aber die machen wir hier auch. Der eigentliche Grund für die Misere liegt am System, das zwangsläufig zu der Verarmung großer Teile der Bevölkerung führt.

Diese Realitätverweigerer sollten sich den bekannten Spruch von Pastor Martin Niemoeller zu Gemüte führen, er ist aktuell wie nie zuvor:

Zuerst holten sie die Kommunisten;
ich schwieg, denn ich war kein Kommunist.
Dann holten sie die Juden;
ich schwieg, denn ich war kein Jude.
Dann holten sie die Gewerkschaftsmitglieder unter den Arbeitern;
ich schwieg, denn ich war kein Gewerkschafter.
Danach holten sie die Katholiken;
ich schwieg, denn ich war Protestant.
Schließlich holten sie mich,
und da war keiner mehr, der für mich hätte sprechen können.

Man kann ihn abwandeln, denn abgeholt werden die Menschen in Europa glücklicherweise aktuell noch nicht.

Zuerst verarmten die Isländer;
ich schwieg, denn ich war kein Isländer.
Dann verarmten die Griechen;
ich schwieg, denn ich war kein Grieche.
Dann verarmten die Osteuropäer;
ich schwieg, denn ich war aus Mitteleuropa.
Danach verarmten die Spanier und Portugiesen;
ich schwieg, denn ich war Deutscher.
Schließlich verarmte ich,
und da war keiner mehr, der mich hätte "retten" können.


Deutschland wird auch noch drankommen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Ich möchte Ihnen nun ein Beispiel von Realitätsverweigerung geben, das sich so am Anfang meiner beruflichen Karriere im IT-Bereich abgespielt hat. Wir entwickelten eine Software für einen großen deutschen Konzern und ich war als Teilprojektleiter u.a. für die Installation und Konfiguration des Softwarepakets zuständig. Der zugesagte Fertigstellungstermin rückte immer näher und es waren nicht einmal 50% der Funktionen fertiggestellt. Einen Managementtermin des Kunden hatte man noch überstanden, denn dort wurden nur ein paar vorbereitete Dinge vorgeführt.

Danach kam der Endtermin und es wurde eine Kundenschulung für die Software angesetzt. Ein Kollege und ich reisten also zum Kunden, er sollte die Schulung halten und ich durfte die Software auf den Kundensystemen installieren. Sowohl der Kollege noch ich waren darüber informiert, welchen Fertigstellungsgrad die Software zu diesem Zeitpunkt hatte: nach wie vor weniger als 50% !

Zunächst konnten wir uns noch mit Vorträgen ein wenig über die Zeit retten, aber als der Kunde dann endlich die Software ausprobieren wollte und an die Terminals stürzte, platzte natürlich die Bombe.

Projektmanager, Bereichsleitung und oberes Management hatten eine derartige Realitätsverweigerung betrieben, wie man es eigentlich nicht für möglich halten würde. Es war letztendlich schon viele Wochen zuvor klar, dass der Termin unmöglich zu halten war. Anstatt sich mit der Realität auseinanderzusetzen und dem Kunden die Verzögerung zu gestehen, wurde der Tunnelblick der Verantwortlichen aber immer enger und man hangelte sich von einem Tag zum nächsten in der Hoffnung, es würde noch „ein Wunder“ geschehen.

Es ist natürlich klar, dass nach dem Eklat zunächst alle anderen als Schuldige gesucht wurden, außer Projektleitung oder Management. Damals habe ich erlebt, wie stark Menschen die Realität ignorieren können, nur um sich nicht einer unangenehmen Wahrheit stellen zu müssen.

Das sehen wir heute auch bei vielen Menschen in Bezug auf die Krise. Man kann eigentlich schon sehr genau sehen, wohin der Weg gehen und was passieren wird, wenn man die Zeichen der Zeit erkennt, wie ich in meinem eBook 2013 -2015 Jahre der Veränderung gezeigt habe. Das passt aber nicht in das Weltbild vieler Menschen, deshalb sind die Warner „Negativ“ oder hatten bisher „noch nie Recht“. Der Herbst 2008 oder das Frühjahr 2010 werden hierbei schon wieder verdrängt.

Verdrängung ist aber eine sehr gefährliche Sache, denn sie kann krank machen und leider werden nicht wenige Menschen, die jetzt noch groß tönen, ihnen wäre die Krise egal, sich dann umbringen, wenn sie die Folgen nicht mehr ignorieren können, da sie voll getroffen werden.

Der Realität ins Auge zu blicken und sich vorzubereiten, ist keine Negativität, sondern eine positive Grundhaltung, denn derjenige erwartet eben keinen „Weltuntergang“ sondern nur eine schwierige Zeit, nach der es dann aber auch wieder aufwärts geht. Ansonsten wäre ja jede Vorbereitung sinnlos. Diese schwierige Periode heißt es jetzt mit möglichst wenig Blessuren zu überstehen und genau dazu dient die Vorbereitung (was zu machen ist, steht u.a. in meinem kostenlosen Report „Eurokrise – Was tun?“).

Letztendlich blicke ich sehr positiv in die Zukunft, denn viele kranke Dinge in unserer Gesellschaft und dem System werden durch die Krise korrigiert werden. Eine gute Vorbereitung befreit von Angst und schürt sie nicht, denn Sie stehen der Entwicklung nicht machtlos gegenüber. Sie sind aktiv und schauen dadurch positiv über die Krise hinaus nach vorne.

Sie werden staunen, wie viele der Realitätsverweigerer, die jetzt angeblich noch so positiv durch das Leben gehen, dann eben genau diesen Weltuntergang erwarten werden, wenn ihre bisher gewohnte Welt zusammenbricht. Dann werden wir auf eimal die "Positiven" sein !

Bild: © lassedesignen - Fotolia.com

1 Kommentar:

  1. Ich wundere mich immer wieder über das Getöse, das seit 2007 veranstaltet wird. Gut, es hat bei mir etwas verändert: Ich wurde in 2008 auf Hartgeld.com aufmerksam. Meine aktuelle Sicht der Dinge fasse ich auf www.bot.li in dürren Worten zusammen.

    Doch das grundsätzliche Problem der Verschuldung begann in Deutschland in den Fünfziger Jahren - und niemand hat die Staatsverschuldung aufgehalten. DAS IST TATSACHE !!!

    Die Schuldenmacherei der Öffentlichen Hand wurde unter Ludwig Erhard gesellschaftsfähig. Ludwig Erhard trug Regierungsverantwortung als Wirtschaftsminister von 1949 bis 1963 und als Bundeskanzler bis 1966 - Gelegenheit genug, die Entwicklung zu steuern! Er gehört wegen Hochverrat angeprangert und nicht wegen eines vermeintlichen Wirtschaftswunders gelobhudelt! Der Ausdruck „Wirtschaftswunder“ wurde 1933 bis 1935 geprägt und nicht nach dem verlorenen Krieg.

    Deutsche Untertanen haben ein sozialistisches Denken entwickelt und die Entscheidungskraft über Wohl und Wehe ihres eigenen Schicksals aus der Hand gegeben. Der Sozialstaat, der durch Otto von Bismarck nach 1871 auf den Weg gebracht, als soziale Marktwirtschaft von Ludwig Erhard nach dem 2. Weltkrieg zu voller Blüte entwickelt, schickt sich gerade an, unfinanzierbar zu sein, weil er an der Bürokratie erstickt, die er sich und den Unternehmen auferlegt.

    Statt Unternehmen sinnlose Statistiken und Formblätter aufzuzwingen, hätte in den Fünfziger Jahren ein gesetzlicher Zwang zu umweltgerechtem Wirtschaften in die bundesdeutsche Realität gehört. Aber solche Zusammenhänge hat nicht einmal der zigarrenqualmende Ludwig Erhard verstanden. Sonst wäre er ein schlanker Nichtraucher, der sich von Obst und Gemüse ernährt, und nicht ein fetter Schweinefleischfresser gewesen.

    Hans Kolpak
    Goldige Zeiten

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